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Freitag, 27.01.2012

Studieren ohne Abitur: nicht bekannt und attraktiv genug

Das Studium ohne Abitur wird bislang nicht ausreichend genutzt, weil zu wenig über die Möglichkeiten der "Offenen Hochschule" informiert wird. Das kritisiert der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) in der aktuellen Ausgabe des Fokus Niedersachsen und betont, dass seit 2010 auch Fachkräfte ohne Abitur fachgebunden studieren können, wenn sie eine abgeschlossene Berufsausbildung und dreijährige Berufserfahrung haben.

Absolventen einer Fortbildungsprüfung, beispielsweise Fachkaufleute, Fachwirte, Meister und Techniker, haben sogar die Berechtigung, uneingeschränkt an allen Hochschulen des Landes alle Studiengänge zu belegen. Angenommen haben dieses Angebot im Wintersemester 2010/2011 laut Niedersächsischem Ministerium für Wissenschaft und Kultur rund 400 Studierende.

"Das sind gerade einmal 1,5 Prozent der Studienanfänger - gemessen am Bedarf der niedersächsischen Wirtschaft viel zu wenig", beklagt Timo Weise, Sprecher für Schul- und Hochschulpolitik beim NIHK.

Die Idee des Konzepts Offene Hochschule sei gut, unterstreicht Weise, die Umsetzung in die Praxis stocke allerdings. So sei landesweit noch immer nicht einheitlich geregelt, welcher Ausbildungsberuf zum Studium welchen Faches berechtige.

Der NIHK beanstandet außerdem, dass berufsbegleitende Studiengänge derzeit noch rar gesät seien. Für bereits im Beruf stehende Arbeitnehmer werde das Studium jedoch höchst unattraktiv, wenn sie dafür ihre Stelle aufgeben müssten. Den Unternehmen würden sie als Fachkräfte verloren gehen.

Auch die Diskussion über die Anrechnung von Leistungen aus bestandenen Fortbildungsprüfungen auf das Studium stecke noch in den Anfängen. "Je mehr bereits erworbene Kenntnisse von Berufspraktikern angerechnet werden können, desto größer wird die Motivation der Arbeitnehmer sein, ein Hochschulstudium zu belegen."

Angesichts des Fachkräftemangels ist es laut NIHK dringend notwendig, mit attraktiven Konzepten wie der Offenen Hochschule in der Bildung neue Wege zu beschreiten. Gute Rahmenbedingungen und landeseinheitliche Regeln seien dafür allerdings unerlässlich.

Wünschenswert wäre aus Sicht der niedersächsischen Wirtschaft die Einrichtung einer zentralen Stelle, die die Hochschulen im Hinblick auf einheitliche Regelungen unterstützt sowie alle notwendigen Informationen bündelt und besser kommuniziert.

Die aktuelle Ausgabe "Fokus Niedersachsen" steht unter www.n-ihk.de auch zum Download zur Verfügung.


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